In den letzten Jahren hat China ein massives Problem: Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen rasant zu. Laut den neuesten Daten des chinesischen Gesundheitsministeriums betrifft bereits rund 20 Prozent der Erwachsenen übergewichtige Körpermassen – ein Anstieg von fast 20 Prozent in nur zehn Jahren. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen: Über 25 Prozent gelten als übergewichtig oder adipös. Die Ursachen sind vielfältig, doch die Politik reagiert mit einer Mischung aus Präventionsstrategien, Regulierungen und gesellschaftlichen Kampagnen.
Ein zentrales Instrument ist das sogenannte „Gesundheitsgesetz für die Nation“, das 2022 verabschiedet wurde. Es sieht unter anderem vor, dass Schulen ab dem dritten Schuljahr täglich mindestens eine Stunde Bewegungspausen einhalten müssen. Zudem werden öffentliche Räume wie Parks und Spielplätze zu „grünen Korridoren“ ausgebaut, um mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. Doch die Umsetzung ist komplex: Während einige Städte wie Peking bereits konkrete Projekte wie „Schulgarten-Projekte“ starten, fehlt es in vielen ländlichen Regionen noch an Infrastruktur.
Regulatorische Massnahmen: Von Fast-Food-Limits bis zu Werbeverboten
Die Regierung setzt auf eine Kombination aus Verboten und Anreizen. Ein bekanntes Beispiel ist die „Gesundheits-Werbebeschränkung“, die 2019 eingeführt wurde. Seitdem dürfen Fast-Food-Ketten wie KFC oder McDonald’s ihre Werbung nicht mehr in Schulen oder öffentlichen Medien schalten. Zudem wurden in einigen Städten wie Shanghai „Gesundheitszonen“ eingerichtet, in denen Fast-Food-Restaurants nur noch in begrenzten Distanzen zu Schulen erlaubt sind. Diese Massnahmen zeigen, dass China nicht nur auf individuelle Motivation setzt, sondern auch strukturelle Hürden für ungesunde Ernährung abbaut.
Ein weiteres Beispiel ist die „Fettleibigkeits-Taxe“, die in einigen Städten wie Chongqing erprobt wird. Unternehmen, die ungesunde Lebensmittel wie frittierte Snacks oder zuckerhaltige Getränke verkaufen, müssen einen zusätzlichen Aufschlag von bis zu 20 Prozent auf die Preise zahlen. Die Idee dahinter ist nicht nur eine finanzielle Belastung für die Branche, sondern auch ein Signal an Verbraucher: Wer sich ungesund ernährt, zahlt mehr. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Umsetzung oft ungenau ist und Ausnahmen für bestimmte Produkte möglich sind.
Kulturelle und wirtschaftliche Herausforderungen
Trotz aller Bemühungen bleibt das Problem tief verwurzelt: In China dominiert eine Ernährungskultur, die stark auf Kohlenhydrate und fettige Speisen setzt – besonders in der traditionellen Küche. Zudem ist die Lebensmittelindustrie ein Milliardenmarkt, und viele Unternehmen profitieren von der Nachfrage nach schnellen, kalorienreichen Produkten. Die Regierung kämpft damit, diese Dynamik zu ändern, ohne die wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden. Eine Studie des „China Health and Nutrition Survey“ zeigt, dass über 60 Prozent der Erwachsenen täglich Fertiggerichte oder Tiefkühlprodukte konsumieren – ein Indiz für die Abhängigkeit von bequemen, aber oft ungesunden Optionen.
Ein weiterer Faktor ist der Arbeitsalltag: In vielen Städten sind Menschen stundenlang am Schreibtisch sitzen, was Bewegung verhindert. Die Regierung fördert zwar „Bewegung im Alltag“ durch Apps wie „My Health China“, doch der Erfolg hängt stark von der Akzeptanz der Bevölkerung ab. In ländlichen Regionen fehlt oft der Zugang zu gesunden Lebensmitteln, und viele Menschen haben keine Zeit oder Motivation, sich aktiv um ihre Ernährung zu kümmern. Hier braucht es mehr als nur Gesetze – es braucht eine tiefgreifende Veränderung der Lebensweise.
- Laut dem chinesischen Gesundheitsministerium sind 20,3 Prozent der Erwachsenen übergewichtig (2022), ein Anstieg von 19,8 Prozent seit 2012.
- Über 25 Prozent der chinesischen Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren gelten als übergewichtig oder adipös.
- Die „Gesundheits-Werbebeschränkung“ verbietet Fast-Food-Werbung in Schulen und öffentlichen Medien.
- In Chongqing wird seit 2021 eine „Fettleibigkeits-Taxe“ auf ungesunde Lebensmittel erhoben.
- 60 Prozent der Erwachsenen konsumieren täglich Fertiggerichte oder Tiefkühlprodukte.
Die Strategie Chinas zeigt, dass Prävention und Regulierung zusammenwirken müssen, um das Problem zu lösen. Während die Politik mit Gesetzen und Infrastruktur arbeitet, liegt der Schlüssel für langfristige Erfolge in der Veränderung der mentalen Einstellung. Doch ob die Bevölkerung bereit ist, ihre Gewohnheiten zu ändern, bleibt eine offene Frage. www.fatboss.ch/ca-sino-de-ch04/ könnte hier weitere Einblicke in die regionalen Unterschiede und lokalen Lösungsansätze bieten.



