In der Schweiz wird der Umgang mit Lebensmittelabfällen seit Jahren als zentraler Hebel für Klimaschutz und Ressourceneffizienz diskutiert. Laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) fallen jährlich rund 600’000 Tonnen Lebensmittelabfälle an – ein Wert, der sich seit den 2000er-Jahren fast verdoppelt hat. Besonders betroffen sind Haushalte, die jährlich etwa 200 Kilogramm Lebensmittel entsorgen, während die Gastronomie und Großhandel noch höhere Mengen verursachen. Die Situation ist nicht nur ökologisch problematisch, sondern auch wirtschaftlich: Pro Kilogramm Lebensmittelabfall entgehen den Betreibern bis zu 1,50 Euro Wert durch ungenutzte Ressourcen.
Ein entscheidender Faktor für die Verbesserung der Abfallwirtschaft ist die Einführung und Umsetzung der offizielle seite des Bundes mit dem Ziel, den Lebensmittelabfall bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Der Gesetzgeber hat hierzu das Gesetz über die Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung (KreAbfG) verschärft, das Verpackungen und Lebensmittel stärker in den Fokus rückt. Besonders innovativ ist das Pilotprojekt “Foodsharing Schweiz”, das in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen und Supermärkten wie Coop und Migros Lebensmittel zurücknimmt, die sonst verschwendet würden. Seit 2019 hat sich die Anzahl der teilnehmenden Standorte verdoppelt, wobei allein in Zürich über 10’000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr gerettet werden.
Doch trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin signifikante Hürden. Ein zentrales Problem ist die mangelnde Transparenz über die tatsächlichen Abfallströme. Laut einer Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2022 wissen nur rund 30 Prozent der Schweizer Bevölkerung genau, wo und wie Lebensmittelabfälle entsorgt werden. Zudem fehlt es an einheitlichen Standards für die Rücknahme von Lebensmitteln durch Supermärkte oder Genossenschaften. Während einige Ketten wie Migros oder Coop bereits Rücknahmeprogramme für überreife Obst- und Gemüsesorten anbieten, fehlt es an einer flächendeckenden Lösung für kleinere Läden und Haushalte.
Innovative Lösungen und Best Practices
Die Schweiz zeigt hier einige internationale Vorreiterprojekte auf. In Genf wurde das “Foodsharing Genf” ins Leben gerufen, das in Kooperation mit der Stadtverwaltung und lokalen Gastronomiebetrieben eine App entwickelt hat, über die überschüssige Lebensmittel direkt an Bedürftige oder nachhaltige Projekte weitergegeben werden können. Seit 2020 wurden dabei bereits über 25’000 Kilogramm Lebensmittel gerettet. Ein weiteres Modell ist das “Zero Waste”-Konzept in der Stadt Bern, das durch Aufklärungskampagnen und die Einrichtung von “Foodsharing-Punkten” in Supermärkten den Konsum von Lebensmitteln vor Ort reduziert. Die Stadt hat in den letzten drei Jahren den Lebensmittelabfall in Haushalten um 15 Prozent senken können.
Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung von Biogas aus Lebensmittelresten. In der Schweiz wird bereits an Pilotprojekten wie dem “Bioenergiezentrum” in Appenzell gearbeitet, wo aus organischen Abfällen Biogas produziert wird, das lokal genutzt wird. Besonders spannend ist das Projekt “Lebensmittelabfall zu Energie” in der Region Zürich, wo seit 2021 eine Gemeinschaftsanlage für die Verarbeitung von Lebensmittelresten in Betrieb ist. Pro Jahr werden dort rund 30’000 Tonnen Abfall verarbeitet, von denen etwa 80 Prozent in Biogas umgewandelt werden. Dies zeigt, dass eine Kombination aus Rücknahme, Recycling und Energiegewinnung entscheidend ist.
Die Rolle von Politik und Wirtschaft
Die politische Ebene muss hier noch stärker in die Pflicht genommen werden. Der Bund hat zwar die Ziele für die Reduktion des Lebensmittelabfalls gesetzt, doch die Umsetzung hängt stark von der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ab. Besonders kritisch ist die Situation in der Gastronomie, wo viele Betriebe keine einfachen Lösungen für die Rückgabe von Lebensmitteln haben. Laut einer Umfrage des Schweizerischen Gastgewerbeverbandes (SGV) aus 2023 geben 60 Prozent der Betreiber an, dass die Rücknahme von Lebensmitteln durch Supermärkte oder Genossenschaften zu aufwendig sei. Hier braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize, um die Zusammenarbeit zu erleichtern.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bildung und Aufklärung der Bevölkerung. Studien zeigen, dass viele Haushalte Lebensmittel nicht richtig lagern oder nicht wissen, wie sie Reste weiterverwerten können. Das BAFU hat daher verschiedene Kampagnen gestartet, die gezielt auf die richtige Lagerung und Nutzung von Lebensmitteln hinweisen. Besonders erfolgreich ist die App “Foodwaste.ch”, die Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen gibt und eine Community bietet, in der sich Nutzer:innen austauschen können. Die App wurde bereits von über 50’000 Menschen heruntergeladen und zeigt, dass digitale Tools einen wichtigen Beitrag leisten können.
- Lebensmittelabfälle in der Schweiz: Rund 600’000 Tonnen pro Jahr, davon 200 kg pro Haushalt.
- Ziel der Bundesregierung: Reduktion um 50 Prozent bis 2030 durch Kreislaufwirtschaft.
- Foodsharing Schweiz: Über 10’000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr gerettet (Stand 2023).
- Biogas aus Lebensmittelresten: In Zürich werden jährlich 30’000 Tonnen Abfall verarbeitet.
- Gastronomie: 60 Prozent der Betriebe sehen Rücknahme von Lebensmitteln als zu aufwendig.
Die Schweizerische E-Lebensmittel-Abfallwirtschaft steht vor einem entscheidenden Wandel. Während es bereits einige erfolgreiche Projekte und Initiativen gibt, bleibt es eine Herausforderung, die Herausforderungen systematisch anzugehen. Die Kombination aus politischen Rahmenbedingungen, innovativen Technologien und einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Gesellschaft wird entscheidend sein, um die Ziele zu erreichen. Nur so kann die Schweiz nicht nur ihre ökologischen Ziele erreichen, sondern auch ein Vorbild für andere Länder werden.



